Stille Erweckung?

In meiner theologischen Zunft macht derzeit ein neues Modewort die Runde: silent revival, auf gut Deutsch stille Erweckung. Gemeint ist ein Phänomen, das sich in vielen Ländern Westeuropas beobachten lässt: Das Interesse am christlichen Glauben wächst wieder. Die Zahl der Taufen steigt vielerorts an, Bibeln werden häufiger verkauft, Gottesdienste besser besucht – oft still und leise.

Als Pfarrer auf dem Lande kann ich diesen Trend nur sehr bedingt bestätigen, ganz so hipp ist Münchenstein nun doch nicht! Aber auch ich sehe in meiner Arbeit zarte Pflänzchen einer neuen religiösen «Grosswetterlage»: Der Bibelkurs, den wir im Frühjahr ausgeschrieben hatten, ist mit 20 Anmeldungen zustande gekommen – mein persönlicher Weltrekord! Auch die lieben Konfirmandinnen und Konfirmanden haben die Nase im Wind: sie kommen vielleicht nicht motivierter, dafür aber neugieriger in den Unterricht. Es sind gerade die traditionellen Formen von Religion, die sie interessieren. «Welche Gebete soll ich beten?» – solche Fragen tauchen durchaus auf.

Natürlich freut sich mein altes Pfarrerherz darüber, auch wenn ich vorerst noch nicht in Euphorie ausbrechen will. Was wir anbieten können, das ist ganz einfach: Unsere Kirchentüren stehen offen. Man kann – auch still und leise – vorbeikommen und schauen, ob der Funke springt. Zum Beispiel am kommenden Sonntag, dann feiern wir nämlich Ostern.

Pfarrer Markus Perrenoud