«Wenn dein Ross tot ist, dann steig ab vom Sattel» – so lautet ein altes Indianer-Sprichwort, das mich anspricht.
Mitten im Galopp des Lebens kann es passieren, dass etwas zu Ende geht und stirbt – eine Aufgabe, eine Leidenschaft, eine gut geölte Gewohnheit. Mit jeder Faser unseres Körpers spüren wir: Die Zeit ist gekommen, umzusatteln und neu anzufangen. Aber seltsam: nur selten ziehen wir daraus die Konsequenz. Ganz im Gegenteil versuchen wir, so lange als möglich auf dem Sattel zu bleiben: «ist doch gar nicht so schlimm, das kommt schon wieder».
Szenenwechsel: Am kommenden Sonntag feiern wir Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes.
Da geht es auch genau darum: Nachdem Jesus an Ostern auferstanden war, schien für die Jünger wieder alles in Ordnung zu sein – sie realisierten nicht, dass sich etwas radikal verändert hatte. Als ihr Meister dann an Auffahrt einfach so verschwand, waren die Jünger fassungslos. Sie verbarrikadierten sich hinter dicken Mauern und warteten einfach einmal ab: «kommt schon wieder». Aber es kam ganz anders: Der Geist Gottes ergriff sie wie ein heftiger Sturm.
Sie standen auf, öffneten die Tür – Sonnenstrahlen fallen dir ins Gesicht. Du machst einen Schritt ins Freie, und siehe: der Boden trägt. Der Geist Gottes umspielt dich. Warum hast du so lange im Dunkeln gewartet?
Pfarrer Markus Perrenoud
