Seit drei Jahren besuche ich den Evangelischen Theologiekurs in Basel, um meine Ausbildung zur Sozialdiakonin abzuschliessen. Ende Juni ist es nun so weit: Mit dem letzten Modul endet auch meine Ausbildung. Dazu gehört ein Abschlussvortrag zu einem Thema meiner Wahl.

Bei der Suche nach einem Thema dachte ich an das zurück, was mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Sofort kam mir unser Kurswochenende zu Maria Magdalena in den Sinn – einer Frau, über die mir in der Schule fälschlicherweise beigebracht wurde, sie sei eine Prostituierte. Dabei gehört Maria Magdalena zu den wichtigsten Frauen der Bibel, und dennoch halten sich bis heute zahlreiche Unwahrheiten über sie. Und sie ist nicht die Einzige.

Deshalb habe ich mich entschieden, meinen Abschlussvortrag den vergessenen Frauen der Bibel und der damit verbundenen – und in meinen Augen auch heute noch notwendigen – feministischen Theologie zu widmen.

Die Auseinandersetzung mit diesen Frauen hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Geschichten immer wieder neu zu betrachten und vermeintliche Wahrheiten zu hinterfragen. Das gilt nicht nur für die Bibel, sondern für viele Bereiche unseres Lebens. Oft prägen bestimmte Sichtweisen unser Bild von Menschen und Ereignissen, während andere Stimmen kaum gehört werden.

Eine der wertvollsten Erkenntnisse meiner Ausbildung ist deshalb, genau hinzuschauen, Fragen zu stellen und offen für neue Perspektiven zu bleiben. Denn oft erzählen gerade die übersehenen Geschichten am meisten über eine Gesellschaft – damals wie heute.

Michèle Tanner, Sozialdiakonin i.A.